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Das Besondere des Wassers

Das Wasser als lebenvermittelndes Element von Wolfram Schwenk

 

Unter der Vielzahl von Erscheinungsformen und Nutzungsarten, in denen uns das Wasser in der Natur und in der menschlichen Zivilisation begegnet, muss uns vor allen anderen die Bedeutung des Wassers für das Leben interessieren. Ist es doch das wichtigste, unentbehrlichste Lebensmittel für Mensch, Tier, Pflanze und für die Erde selbst! Man vergegenwärtige sich seinen lebensspendenden Segen beim Gedanken an eine Oase in der Wüste, aber auch seine lebenbedrohende Macht, wenn es im Übermaß alles überflutet.

 

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Bild 1: Drei Momente der Verwandlung eines Wirbelringes, hervorgebracht durch das Eintauchen eines Tintentropfens in Wasser.

 

 

 
 
 

 

 

 

Ohne Wasser kein Leben! – Was verbirgt sich hinter dieser doppelten Verneinung? Wie kann das Wasser als lebenvermittelndes Element, wie kann es in seiner lebenvermittelnden Tätigkeit verstanden werden? Es geht darum, zu einem Verstehenlernen des Was

sers zu kommen, das zur Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihm werden kann.

Seiner Herkunft nach ist das Wasser in erster Linie ein Geschenk des Himmels. Im Regen und Schnee, Tau und Nebel wird es als Flüssigkeit aus dem Wasserdampf des Luftumkreises neu gebildet. Was davon in den Erdboden eingedrungen ist, sich mit der Erde verbunden und mit ihren Gesteinen auseinandergesetzt hat und von ihr wieder als Grundwasser in Quellen und Brunnen freigegeben wird, kann in natürlicher Reinheit dem Menschen als Lebensmittel dienen. Und überall, wo es als Bodenfeuchte vorkommt oder als Bach und Fluss, als Tümpel, See und Meer ein Gewässer erfüllt, wird es zum Lebensspender und Lebensraum für unendlich viele Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere.

Sobald die Organismen atmen und organische

Stoffe abbauen, wird Wasser neu gebildet und ausgeschieden. An zweiter Stelle also stammt ein kleiner Teil des Wassers auch aus Lebensprozessen, ist organischer Herkunft.

 

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Bild 2: Organartige Gestaltbildungen entstehen beim Zusammenwirken vieler Wirbelbewegungen.

 

Seiner stofflichen Natur nach gehört das Wasser aber zu den Mineralstoffen. Der heutige Naturwissenschaftler denkt es zunächst als die chemische Verbindung der beiden gasförmigen Elemente Wasserstoff und Sauerstoff im Verhältnis 2:1. Aber das macht seine Bedeutung für das Leben nur noch rätselhafter. Als H2O kann es je nach den Umgebungsbedingungen als Eis, flüssiges Wasser oder gasförmiger Dampf erscheinen. Hier wollen wir nur vom flüssigen Wasser sprechen, denn nur als Flüssigkeit hat es die Bedeutung des wichtigsten Lebensmittels. Es ist der Repräsentant des Flüssigen überhaupt, zugleich die einzige Flüssigkeit, die in der Natur in größeren Mengen vorkommt. Die Flüssigkeit, die unsere Gewässer erfüllt und durchfließt, die den Boden befeuchtet, die uns aus dem Grundwasser in Brunnen und Quellen reines Trinkwasser spendet. In Regen und Tau, in Wolken, Nebel und Dunst bringt sie uns Feuchtigkeit. Im Zusammenspiel mit dem Licht zaubert sie die Farberscheinungen der Atmosphäre hervor.

Im Brunnenbecken wie im See spiegelt das Wasser seine Umgebung. Sie wird durch es hervorgehoben, bereichert und belebt, und das durchsichtige Wasser selbst tritt in der Erscheinung zurück.

Besonders erwähnt werden muss die Beziehung des Wassers zur Wärme: Hier weist es ganz unübliche Eigenschaften auf, unüblich im Vergleich mit seinen chemisch nächsten Verwandten. Man spricht von den sogenannten Anomalien des Wassers.

Während die meisten Stoffe bei Abkühlung immer mehr schrumpfen, geschieht dies bei Wasser nur bis zu einer Temperatur von 4°C. Bei weiterer Abkühlung dehnt es sich wieder aus, so dass gefrorenes Wasser, Eis, auf wärmerem Wasser aufschwimmt. Dadurch bekommen Gewässer beim Zufrieren eine schützende Schicht aus Eis, unter der die Gewässerorganismen im flüssigen Wasser überwintern können.

Beim Gefrieren, also dem Übergang vom flüssigen in den gefrorenen Zustand bei 0° C, gibt Wasser so viel Wärme ab, als einer Abkühlung um fast 80° C entspricht. Dies verzögert beim einsetzenden Frost ein rasches Zufrieren der Gewässer und ein weiteres Abkühlen der Luft. Umgekehrt muss Eis erst entsprechend viel Wärme aus der Umgebung aufnehmen, ehe es schmilzt. Ähnliches spielt sich bei der Verdunstung ab. Das Wasser benötigt zum Verdampfen ein hohes Maß an Wärme. Diese entzieht es seiner Umgebung, die dadurch abkühlt. Beim Kondensieren gibt es wiederum Wärme an seine Umgebung ab. Dadurch puffern die Gewässer die Temperaturschwankungen der Atmosphäre entscheidend und tragen zu deren Ausgleich bei. So kommt es in wasserreichen Gebieten nicht zu den extremen kurzfristigen Temperaturschwankungen, die vom Wüstenklima bekannt sind.

Das Wärmespeichervermögen des Wassers erreicht bei 35-36° C ein Minimum, so dass Organismen, die wie der Mensch ihre Körpertemperatur, oder wie der Bienenstaat ihre Milieutemperatur, in diesem Bereich einstellen, hier am leichtesten ihre Temperatur durch Flüssigkeitszirkulation und Verdunstung von Wasser regulieren können.

Das Verhältnis des Wassers zur Wärme kann einem besonders deutlich machen, wie weisheitsvoll seine ganzen Eigenschaften auf das Leben hin orientiert sind. Flüssiges Wasser ist ein materielles Kontinuum. Es verhält sich als lückenlos zusammenhängendes Ganzes, nicht wie ein aus feinsten Partikeln zusammen gesetzter Stoff. In einem Gefäß gesammelte Tropfen verschmelzen miteinander, lassen sich nicht wieder als dieselben Tropfen daraus entnehmen.

H2O gibt es nur in Gedanken, nicht in der Natur. In chemisch reiner Form hat es ein so intensives Lösungsvermögen, dass es sich im Augenblick seiner Entstehung sofort mit anderen Stoffen verbindet und sie mindestens in Spuren auflöst und in sich aufnimmt. Was wir als Wasser, auch als reinstes Wasser, kennen, ist stets mehr als nur H2O.

 

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Bild 3: Wasser wird aus einem Rohr ausgestoßen und bildet einen aufsteigenden Wirbelring. Das Zentrum seiner inneren kreisenden Bewegung ist ringförmig Die Ringebene ist senkrecht zur Bildebene vorzustellen.